„Schweigen und Unwissen schützen die Täter“

Der Regierungsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig fordert eine zentrale Aufarbeitungsstelle für sexuellen Missbrauch von Kindern. Er spricht sich außerdem für eine längere Verjährungsfrist aus. Weiterlesen…

3 Gedanken zu „„Schweigen und Unwissen schützen die Täter““

  1. Ach ja, zu einem Punkt wollte ich mich noch äußern und was richtig stellen.

    Meiner Auffassung nach liegt nicht der Grund sex. Gewalt von Jugendlicher und Kinder gegen (da gebe ich Doro komplett Recht, auch hier wieder eine Verdrehung!!!) Jugendliche und Kinder an den Medien, die ihnen heute zur Verfügung stehen und die dazu beitragen, die Hemmschwelle zu senken, sondern ich könnte wetten, dass genau diese Jugendlichen und Kinder zu Täter werden und wurden, weil sie von ihrem Umfeld – von ihrem Elternhaus permanente sex. Grenzüberschreitungen erdulden mussten, müssen, weil sie von Wegschauern und schweigenden Mitwissern umgeben sind, gesellschaftlich und im soz. nahem Umfeld. Weil die Gesellschaft samt Politik deutlich signalisiert, wie egal ihr derartige Grenzüberschreitungen sind, sie selbst Teil dieser Ausüber (Täter) sind!!!
    Und Kinder, Jugendliche, die nicht sofortige Hilfe erhalten nach einem erlebten Trauma, und zugleich in einer rohen – sozialbefreiten Umgebung, Gesellschaft aufwachsen müssen, umgeben sind, werden – was ebenso wissenschafltich bewießen ist, sehr häufig selbst leider zu Tätern.
    Auch hier wieder wird eine sehr, sehr einfacher und kurzsichtig Erklärung für die traurige Tatsache abgegeben. Wir sollten es doch jetzt endlich mal besser wissen, Herr Rörig!!!

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  2. Sexualisierte Gewalt „zwischen“ Jugendlichen und Kindern gibt es nicht! Was es gibt, ist sexualisierte Gewalt von Jugendlichen GEGEN Kinder! Mit dem Wort „zwischen“ wird impliziert, dass beide Parteien in irgend einer Weise aktiv beteiligt sind, was in der Beurteilung dieser Taten häufig nachteilig für die Opfer und entlastend für die Täter wirkt.

    Insgesamt ist anzumerken, dass es die von Herrn Rörig erwähnte sexualisierte Gewalt von Jugendlichen gegen Kinder gibt, und diese auch früher schon gegeben hat, vielleicht nur weniger öffentlich. Diese Form sexualisierter Gewalt gegen Kinder muss beleuchtet und verhindert werden, sie hat aber oftmals einen anderen Charakter als die Form sexualisierter Gewalt gegen Kinder, die von Erwachsenen ausgeht.

    Den wenigsten ist bewusst, dass es sich bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder durch Erwachsene in den seltensten Fällen um einmalige Übergriffe handelt, sondern dass die Täter ihre Machtpostition als Erwachsener ausnutzen (missbrauchen), um sich den Zugang zu einem Kind sichern. Dazu gehen sie äußerst manipulativ und geplant vor. Das heißt, wir sprechen hier nicht von etwas, das „plötzlich“ und „anfallartig“ oder aus irgendeinem Impuls heraus geschieht, sondern von geplanten Straftaten. Wichtig ist auch, sich bewusst zu machen, dass es sich hier häufig um Straftaten handelt, die sich nicht selten über Jahre hinziehen und in ihrer Intensität steigern. Das heißt, die Täter brechen notorisch und bewusst über Jahre hinweg Gesetze.

    Für das Kind – und auch das machen sich die wenigsten bewusst – bedeutet dies einen fortgesetzten Alptraum während der wichtigen Zeit seiner Entwicklung. Gerade wenn die sexualisierte Gewalt innerhalb der Familie geschieht (die häufigste Form), bedeutet dies für das Kind, dass die Menschen, auf die es lebensnotwendig angewiesen ist – und denen es ebenso unausweichlich ausgeliefert ist! – seine größte Gefahr darstellen. Wie soll so ein Mensch jemals wieder dem Leben und anderen Menschen vertrauen können…???

    Eine wichtige Botschaft aus dem Gespräch mit Herrn Rörig möchte ich nochmals extra hervorheben – und sie gehört meiner Meinung nach zu den zentralen Kernbotschaften, die endlich in die Köpfe muss, damit sowohl ein Kind, das sexualisierte Gewalt (häufig durch sehr nahestehende Personen) erfährt, als auch Menschen im Umfeld der Täter und Taten sich ermutigt fühlen, sich anderen anzuvertrauen, bzw. einzuschreiten. Die Botschaft lautet:

    Es sind die Täter, die durch ihre Taten die Familie, den Verein, die schulische oder geistliche Gemeinschaft zerstören und verraten – und zwar bewusst und ohne Rücksicht auf andere. Es ist nicht das Kind, das sich anderen anvertraut, und es ist nicht die Mutter, die Nachbarin, die Lehrerin, der Kollege, der die Taten aufdeckt (um sie zu unterbinden)!

    Hier muss endlich mit der Verdrehung im Denken Schluss gemacht werden – und dies können und müssen wir ALLE tun, um die Verhältnisse endlich so zu gestalten, dass sich kindliche Opfer und Mitwisser trauen können, das Schweigen zu brechen.

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    • Zitat:
      Die Welt: Was versprechen Sie sich davon?

      Rörig: Die Kommission soll Ausmaß und Folgen sexuellen Missbrauchs untersuchen, auch die verschiedenen Tatorte – wie Familie oder Schule. Wir brauchen einen Überblick über das ganze Ausmaß und die Bedingungen des Missbrauchs. Dann können wir gezielt bessere Schutzvorkehrungen treffen. Außerdem brauchen wir eine Verlängerung der strafrechtlichen Verfolgbarkeit

      Ich würde es begrüßen, wenn die NEUE Kommission dafür eingesetzt wird, um ENDLICH!!! auch Entscheidungen treffen zu dürfen weit über dem, was der RT lapidar als KANN – Empfehlungen formuliert hat!!! Die FOLGEN von sex. Gewalt wurden hinreichend und immer und immer wieder erforscht, aber nicht archiviert – immer und immer wieder „vergessen“, „verdrängt“, um dann zur Tagesordnung überzugehen! Ebenso, was die „Bedingungen“ von Missbrauch betreffen. Es gibt x – tausende Bücher, Forschungsergebnisse darüber. Warum werden die nicht endlich zentral archiviert und vor allem für zukünftige ENTSCHEIDUNGEN mit berücksichtigt!!!
      Zur Verlängerung einer strafrechtlichen Verfolgbarkeit! Eine Anhebung zum 30.Lebensjahr ist genauso ungerecht, wie die – die jetzt gesetzlich verankert wurde, denn sie benachteiligt all jene Betroffene, denen aufgrund der schweren Traumen es nicht möglich ist, sich innerhalb dieser vorgegebenen Zeit an die Verbrechen, die man ihnen angetan hat, zu ERINNERN, oder ihr Schweigen zu brechen! Wieder würden dabei gerade diejenigen aussen vor bleiben, nicht berücksichtigt werden, die schon damals keine Hilfe erfahren haben und die massiv schwer traumatisiert wurden.
      Im Umkehrsatz heißt dies für die Täter: Aufgemerkt, traumatisiert eure Opfer sooo massiv, dass sie mit großer Sicherheit weit über das 30 Lebensjahr hinaus unter einer Teilamnesie leiden!
      Wann geht das eigentlich endlich in die Köpfe Nichtbetroffener rein, dass solche Vorschläge unlogisch und nicht hilfreich sind!!! Es ist bewießen, dass sich echte Teilamnesie (sich an keine der Missbrauchserlebnisse und all dem, was damit zusammenhängt erinnern zu können, diese Teile komplett ausgelöscht sind) in den MEISTEN Fällen erst im Alter von frühestens 30 Jahren Stück für Stück auflöst. Und DANN sind diese Betroffenen noch lange nicht in der Lage, sofort Anzeige zu erstatten!!! Dazu benötigt es ersteinmal eine sehr lange Therapie, um all die grauenhaften Erinnerungen, die ja nicht alle auf einmal an einem Tag hervorbrechen, langsam und für die Psyche erträglich in einem sehr behutsamen Therapieprozess zulassen zu können. Danach bedarf es einer sehr langen Stabilierungsphase, die immer wieder von Suizidsehnsüchten gefährdet wird. Und nicht zu vergessen, der lange Prozess der Aufarbeitung.

      Bis also von Teilamnesie Betroffene in der Lage sind, ausserhalb des geschützten Therapieraumes über das, was ihnen widerfahren ist, REDEN zu können, vergehen wieder einige Jahre. Bis sie dann so stabil und gefestigt sind, um eine ANZEIGE zu tätigen, ist das 30 Lebensjahr weit überschritten!!!

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