2 Gedanken zu „Interviewausschnitte – Schuldgefühle“

  1. „Wer mischt sich ein, wenn die nächste attackiert wird? Ohne dafür Dank oder Beifall zu erwarten? Mit dem Risiko, verspottet oder ausgegrenzt zu werden?“
    Das würde ich jederzeit tun, würde ich Zeugin eines derart abscheulichen Verbrechens werden.

    „Wer wird seine Stimme zu all den anderen Vergewaltigungen erheben, die immer noch stattfinden? Und wer wird nicht aufgeben, bis genug Menschen „Stopp“ sagen?“

    Es werden immer ganz, ganz wenige Nichtbetroffene sein, und Betroffene, die noch die Kraft und vor allem die Hoffnung dafür haben- Ich zähle mich mittlerweile nicht mehr zu den Letzteren, da ich die Hoffnung auf Veränderung, auf die Zivilcourage der Politik inzwischen verloren habe. Hätten die letzten drei Jahre gezeigt, dass sich der Krafteinsatz lohnt, den gerade wir Betroffene kaum haben aufgrund der Langzeitfolgeschäden, würde ich weiterkämpfen auf der breiten Ebene, aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass dies vergebene Liebesmüh ist, weil ganz oben gar kein Interesse besteht auf Veränderung.

    Es macht mehr Sinn, dass alle, die das Bedürfnis haben, Änderungen beizustreben, vor Ort und konkret sich einzubringen. Alles andere ist m. E. Illusion!

    Klingt ernüchternd, aber meine Beobachtung in den letzten drei Jahren hat dies bestätigt.

    Schade, traurig aber Realität.

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  2. Auf EMMA Online steht ein sehr guter Artikel über eine Gruppenvergewaltigung, die derzeit in Amerika (zu Recht!) große Aufregung auslöst. Ich habe einen Abschnitt davon – wie gesagt, er bezieht sich eigentlich auf Vergewaltigungen allgemein – auf das Thema „sexueller Kindesmissbrauch“ umgemünzt. Weil er dem Grunde nach für beide Formen sexualisierter Gewalt passt. Lest selbst:

    „Diejenigen, die das Opfer attackieren und ihre Vergewaltiger verteidigen, sind Feiglinge. Sie sind Feiglinge, die Angst vor den Konsequenzen haben, die eintreten, wenn diese systematische Ungerechtigkeit erkannt wird.

    Diese Form der Feigheit wird gerade als Waffe gegen die Opfer und ihre UnterstützerInnen gerichtet. Um sie zu beschämen und zum Schweigen zu bringen, damit sie sich nicht organisieren und über die Vergewaltigungskultur sprechen, womit sie ja gerade erst begonnen haben. Viele davon fragen sich, ob sie mutig genug wären, im Angesicht des Bösen aufzustehen: Ob sie weiter schweigen oder ob sie sich in Rage zusammenschließen. Jetzt ist der Moment gekommen!

    Jede und jeder kann über sexuellen Missbrauch sprechen. Die Frage ist: Wer mischt sich ein, wenn die nächste attackiert wird? Ohne dafür Dank oder Beifall zu erwarten? Mit dem Risiko, verspottet oder ausgegrenzt zu werden? Wer wird seine Stimme zu all den anderen Vergewaltigungen erheben, die immer noch stattfinden? Und wer wird nicht aufgeben, bis genug Menschen „Stopp“ sagen?“

    (Originalartikel in EMMA Online, 27.03.2013 , siehe: http://www.emma.de/news-artikel-seiten/laurie-penny-ueber-steubenville/)

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