Bundesländer verweigern Umfrage in Schulen

Bei einem Projekt sollen Ursachen und Folgen sexuellen Kindes- und Jugendmissbrauchs erforscht werden.Doch vier Bundesländer verweigern eine Schulumfrage. Eins davon ist Bayern, unter anderem mit der Begründung: Übergriffe gebe es in Bayern nicht in diesem Maße. Weiterlesen…

3 Gedanken zu „Bundesländer verweigern Umfrage in Schulen“

  1. „Sexuelle Gewalt in Schulen ist weiterhin mit einem Tabu versehen, auch nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorfällen in pädagogischen Institutionen seit 2010“, so Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Hildesheim, schon im Februar dieses Jahres (siehe: https://www.mutmachen.info/?p=1947).

    Bedauerlich, dass ihr die Tatsachen so recht geben.

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  2. Das ist doch echt der Hammer! Und es zeigt, wie wenig ernst die Länder – insbesondere Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen – das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern (so genannter „sexueller Missbrauch“) nehmen!

    Bayern ist der Meinung, dass es „Übergriffe in Bayern nicht in diesem Maße gebe“. Man findet, die Forschung zu sexualisierter Gewalt unter Schülerinnen und Schülern sei „übertrieben“. Und: Im „Schutzraum Schule“ wolle man nicht über Sexualität sprechen.

    Geht’s noch?? Kann man in Bayern hellsehen oder was?? Ich meine, solange das nicht untersucht wurde (was jetzt verweigert wird), kann man das doch nicht wissen, in welchem Maße es Übergriffe gibt, sondern höchstens schätzen. Und dass man da häufig sehr falsch liegt, bzw. die wahren Ausmaße unterschätzt, ist nicht nur in Bayern so!

    Da wird immer von „Prävention“ gesprochen und dass man Kinder heute – wo man jetzt so viel über „solche Fälle“ gehört hat – besser schützen müsse. Und dann verweigert Bayern (und andere Länder) die Chance, Kinder genau dort anzusprechen, wo sie alle – ob betroffen oder nicht – hinkommen. In die Schule nämlich. Es ist doch längst bekannt, dass in jeder Schulklasse mehrere betroffene Kinder sitzen. Nur wird das bislang – und wie es aussieht in manchen Ländern auch noch weiter – ignoriert. Was ist dann das Gerede vom „Schutz der Kinder“ und „Prävention“ wert, wenn die Erwachsenen gar nicht wissen wollen, was geschieht? Denn nichts anderes ist diese Verweigerung der Länder, an ihren Schulen das Thema nicht erforschen zu lassen.

    Es ist einfach nur traurig, dass drei Jahre nach dem Aufdecken von so genannten „Missbrauchsfällen“ an mehreren Schulen (!), in kirchlichen Einrichtungen und in Familien in so großer Zahl (!) nun offensichtlich wieder der Mantel des Schweigens über diese Thematik gelegt werden soll. Schon vorher galt: Wir wollen es nicht wissen. Zehntausende Mädchen und Jungen sind in den vergangenen Jahrzehnten sexuellem Missbrauch ausgesetzt gewesen – und offiziell wurde so getan, als gäbe es das nicht. 2010 taten alle ganz erstaunt – und natürlich „betroffen“ -, dass es „sowas“ in Deutschland (und weltweit!) gibt. Denn man hatte sich gesellschaftlich darauf verständigt, darüber nicht zu sprechen, es einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen.

    Und jetzt kommt Bayern (und andere Länder) daher und will es wieder nicht so genau wissen. Bzw. – noch schlimmer – glaubt, es schon zu wissen, und natürlich ist man sich dort in diesem „sauberen“ Land sicher, dass die Idylle nicht durch ein „Übermaß an solchen Fällen“ getrübt wird. Scheinbar hat man aus den Fällen innerhalb der katholischen Kirche, wo auch alle immer davon ausgingen, dass gerade dort „solche Sachen“ (Sexualität, Gewalt) nicht vorkommen können, nichts gelernt.

    Besonders empörend aber finde ich die Haltung des BUNDESFAMILIENMINISTERIUMS (das sind die, die mit am so genannten „Runden Tisch zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs“ gesessen sind!), das sich mit „Jedes Bundesland trifft selber die Entscheidung über die Mitwirkung“ aus der Sache stiehlt. Ich frage, wie ernst nimmt man dort den Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt? Ich meine, ist es nicht vorderste Aufgabe des Bundesfamilienministeriums, für den Schutz und das unbelastete Aufwachsen von Kindern in diesem Land zu sorgen? Und zumindest im Bundesfamilienministerium müsste man sich – nach den vergangenen drei Jahren und dem „Runden Tisch“ im Klaren darüber sein, in welchem Ausmaß diese Gewalttaten stattfinden und dass sie IN JEDEM BUNDESLAND vorkommen! Da nützen dann alle schönen „Infokampagnen“ und sonstigen Bekundungen nichts, wenn konkret dann nichts getan wird, bzw. die Dinge dem Zufall (ob ein Bundesland mitmachen möchte oder nicht) überlassen werden. Aber ich habe den Eindruck, dass man auch im Bundesfamilienministerium die Thematik gerne wieder los wäre, und vielleicht glaubt, man habe nun schon „alles“ getan. Das einzelne betroffene Kind – das es auch heute mehr als zahlreich gibt – wird halt dazu angehalten, deutlich „Nein!“ zu sagen, und damit hat es sich dann für das Bundesfamilienministerium. Es ist alles so unfassbar und eigentlich eines Landes wie Deutschland nicht würdig.

    Ich bin der Meinung, wir alle sollten an die jeweiligen Kultusministerien der Länder unseren Protest über diese Entscheidung (und mehr noch über die dahinter stehende Haltung!) richten. Ebenso an das Bundesfamilienministerium. Wir dürfen es nicht einfach so hinnehmen, dass sich nun wieder das Schweigen ausbreitet. Gerade der aktuellen Opfer wegen nicht!

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    • Mehr Druck bei den Ignoranten würde erzeugt werden, wenn alle Anlaufstellen, Auffangzentren und Kripostellen der Wegschauerländer ihre aktuellen Opferzahlen an den jeweiligen „Familienminsterien“ senden würden, diese zeitgleich medial veröffentlichen würden!!!

      Ich für meinen Teil werde mit dem Verein: „Das Netz“ bzgl. Bayern mal recherchieren und die Anlaufstellen, Auffangzentren, Kripostellen anschreiben mit der Bitte, dem nachzukommen.
      Der Weiße Ring hier vor Ort ist dazu sicher gerne bereit, Fakten und Zahlen zu zentrieren und an die Presse damit zu gehen!!! Ich kenne den Ausbilder für ganz Bayern, der schon öfters mit Fakten in den Medien zu schockieren wusste :-).

      Ich denke, das ist effektiver, als wenn drei oder vier Altbetroffene ein Schreiben verfassen. Das wird registriert, aber es folgen wie immer keine Änderungen im Sinne der aktuellen Opfer.

      Vielleicht wäre es möglich, dass alle, die sich beim aufmischen aktiv beteiligen wollen, sich ihr jeweiliges Bundesland in der o.g. Vorgehensweise vorknöpfen und Kontakte mit den Anlaufstellen…. knüpfen, um zum Faktencheck aufzurufen?
      Was haltet ihr davon?

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